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27.03.2020

LANDHOCKEY | ZURÜCK ZU ALTER STÄRKE

Die Verantwortlichen der GC Sektion Landhockey sind angetreten, die Voraussetzungen zu schaffen, dass ihre Teams in ihren Ligen in Zukunft bei der Titelvergabe wieder ein Wort mitreden. Gleichzeitig wurde und wird die Nachwuchsabteilung erweitert. Sämtliche Anstrengungen sind auf Nachhaltigkeit ausgelegt. Die Strategie-Änderung ("GC heisst Erfolg, nicht Mittelmass", Zitat Martin Graf) wurde kürzlich an der Sektionsversammlung den Mitgliedern vorgestellt und fiel auf guten Boden.

Während Jahren wurden die GC Damen und Herren im Landhockey dem GC Anspruch gerecht, zur nationalen Spitze zu gehören. Sie sammelten Titel. Inzwischen aber liegen die letzten Erfolge einige Zeit zurück, so wurden die GC Herren letztmals 2002 in der Halle Schweizermeister und auf dem Feld 1996. Die Damen holten auf dem Feld 2001 mit den Cupsieg den letzten Titel, und in der Halle war's 1995, als sie letztmals die Meisterschale in die Höhe stemmen konnten. Mit dem sportlichen Mittelmass der Fanionteams einher ging ein schleichender, ständiger Rückgang bei den Juniorinnen und Junioren, der in letzten Jahren allerdings durch verschiedene, von der aktuellen Führung eingeleiteten Massnahmen gestoppt und in einen Aufschwung geleitet wurde.

Martin Graf, Junioren- und Sportchef

Seit Jahren ist Präsident Retus Gieriet, früherer GC Spieler und Schweizermeister, der Anker der GC Sektion Landhockey. Und er hat u.a. einen engagierten Mitstreiter, dem sportliches Mittelmass ein Greuel ist: Martin Graf (59), mehrfacher Schweizermeister mit Rotweiss Wettingen. Als Natispieler war er darauf angewiesen, wollte er weiterhin in der Auswahl zum Einsatz kommen, dem Trend folgend auf Kunstrasen zu spielen. Weil "sein Klub" Rotweiss Wettingen ("Ich wuchs neben dem Spielfeld auf") auf Naturrasen spielte, wechselte er zum Grasshopper Club, zumal er schon seit einiger Zeit in Zürich gearbeitet und gewohnt hatte. Auch beim GC war er noch an Titelgewinnen beteiligt, musste aber 34-jährig seine Aktivkarriere wegen einer angeborenen Fehlstellung der Hüfte, die zur Arthrose führte, beenden ("Ich müsste mich schon lange einer Operation unterziehen", Zitat Graf). Dem Hockey wollte er aber treu bleiben, weshalb er ins Coaching-Fach wechselte und das Damen- sowie verschiedene Junioren-Teams trainierte. 1998 zog es den studierten Ökonom und IT Spezialist berufsbedingt über den grossen Teich. Während sieben Jahren lebte er in Kalifornien bevor er 2005 nach Zürich zurück kam – und sich wieder dem Grasshopper Club anschloss. Es befriedigte ihn, der die Coach-Ausbildung beim Deutschen Hockey-Bund in Köln absolvierte und sich auch bei der European Hockey League weiterbildete, aber bei weitem nicht, dass sämtliche Teams mittelmässig spielten und die Nachwuchsabteilung auf 16 Junioren geschrumpft war.

Junioren-Entwicklung: Von 16 auf 100

Martin Graf machte sich an die Arbeit und baute nötige Strukturen auf, "ohne Mandat, mir lag einfach viel daran, dass der notwendige Unterbau für erfolgreiches Spitzen-Landhockey realisiert werden kann", blickt Martin Graf zurück. Er schaffte es. Heute zählen die Junioren, von der U8 bis zu U18 rund 100 Kids. Und die Abteilung soll sich weiter entwickeln, wobei er keine Obergrenze sieht. "Solange sich Jugendliche für unseren Sport interessieren, werden wir ihnen die nötige Infrastruktur und Betreuung bieten", sagt Martin Graf. Die Rekrutierung läuft meistens über Mund-zu-Mund-Propaganda oder über Internet, wenn interessierte Eltern bei der Suche nach einem ambitionierten Landhockey-Club für ihre Kids in Zürich auf den Grasshopper Club stossen. "In Zukunft werden wir aber auch bei Schulen aktiv werden und Landhockey-Kurse anbieten", erzählt Martin Graf und verrät, dass der Start im kommenden August in einem Zürcher Schulhaus erfolgen wird.

Auch im Elite-Bereich wurde nach intensiven Sektions-internen Diskussionen eine Trendwende eingeleitet, weg vom Spass-Club (wieder) hin zum Spitzenclub. Martin Graf, inzwischen auch zum Sportchef avanciert: "Wir wollen zusammen mit Seriensieger auf allen Stufen Rotweiss Wettingen zur nationalen Spitze gehören und wieder Anschluss ans europäische Hockey finden. "Aber wir werden nicht den selben Fehler wie vor zwanzig Jahren machen, und den Spass-Sportlern keinen Raum mehr bieten. Wir brauchen beides: die Elite und den Breitensport", betont Martin Graf.

Verbesserung auf allen Stufen

Der Zielsetzung konsequent folgend wurde im Elitebereich bezüglich sportliche Entwicklung der argentinische Spitzentrainer Facundo Quiroga (32) verpflichtet, dessen Wirken auch auf die Arbeit der rund 20 Miliz-Coaches im Nachwuchsbereich ausstrahlen soll. "Wir wollen nicht nur eine sportliche Verbesserung erreichen, sondern uns auch in der Organisation entscheidend verbessern", so Martin Graf. "Oder anders gesagt, wir wollen eine Verbesserung bei Spielern, den Teams und in der Organisation erreichen". Und es soll nicht beim Lippenbekenntnis bleiben, das heisst, die Ist-Situation wurde aufgenommen und überprüfbare Dreimonats-Ziele gesetzt. "Wenn nötig, werden wir korrigierend eingreifen", so der Sportchef, "in den letzten Jahren waren die Ergebnisse über die gesamte Sektion gesehen bestenfalls Mittelmass, das reicht uns aber nicht". Und eine entscheidende Schwachstelle wurde bei der Ist-Analyse ausgemacht. Martin Graf: "Wir werden während fünf Wochen sämtliche Teams konditionell intensiv entwickeln und Massnahmen ergreifen, dass auch inskünftig in diesem Bereich konsequent gearbeitet wird."

Eugen Desiderato