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28.06.2019

FUSSBALL | WO EIN WILLE IST, IST AUCH WEG

Noa Schärz, eines der grössten Fussballtalente hierzulande, erlitt im August 2017 eine schwere Knieverletzung, worauf sie eine lange Zeit der Schmerzen, Mühen und Ungewissheit, aber nie ihren starken Willen aufgebend, erlebte. Dann beschritt sie einen unkonventionellen Weg, der zum Erfolg führte. Alle Mühen haben sich gelohnt. Nach genau 20 Monaten konnte sie nach harter Arbeit ihr Comeback geben. Inzwischen ist sie auch A-Nati-Spielerin.

Sie trat wieder nicht nur als "Kopf" des Teams, sondern auch als Vollstreckerin auf. Die Folge: Noa Schärz wurde im Juni 2019 erstmals (wie übrigens auch ihre GC-Teamkollegin Fiona Hubler) für die Schweizer A-Nati aufgeboten und führte sich im Teileinsatz gegen Serbien gleich auf ihre Weise und erzielte den einzigen Schweizer Treffer zum 1:1-Schlussstand.

Die Leidensgeschichte

Die 18-jährige Noa Schärz ist seit frühester Jugend leidenschaftliche Fussballerin. Ein Leben ohne das runde Leder kann sich die angehende Köchin nicht vorstellen. Umso mehr war es ein herber Schlag für sie, eine so lange Zeit aussetzen zu müssen, nachdem sie das Kreuzband, den Meniskus und das Innenband gerissen hatte. Trotz erfolgreicher Operation, der Unterstützung der Trainer und Physiotherapeutinnen, ihres Einsatzes im Kraftraum und dem intensiven Aufbautraining, war sie ständig von Schmerzen geplagt. Deshalb beschloss sie Mitte letzten Jahres eine Reha in der Eden Klinik in Donaustauf, einer der renommiertesten deutschen Sportler-Kliniken zu absolvieren. Eine kostspielige Angelegenheit. Der Kämpfertyp Noa Schärz hatte aber auch dafür eine Lösung parat und versuchte, das nötige Geld über die Crowdfunding-Plattform «I believe in you»  zu erhalten. Der Erfolg stellte sich ein, viele Spender trugen ihr Schärflein zu dieser Reha bei. Die Massnahmen zeigten zwar Wirkung, dennoch traten wieder Komplikationen auf, die einem weiteren operativen Eingriff nötig machten. Noa Schärz: "Es war zwar nur ein kleiner Eingriff aber trotzdem mühsam. Danach machte ich über Weihnachten Ferien. Ich denke, das hat gut getan."

Der Aufschwung

Nach ihrer Rückkehr führte sie das Aufbautraining weiter und konnte anfangs Februar dieses Jahres wieder ins Teamtraining einsteigen. "Das hat mich riesig gefreut, denn lange Zeit glaubte ich nicht mehr daran, dereinst wieder auf dem Platz stehen zu können", blickt Noa zurück. Einen ersten Test bestand sie im GC U19 Team, bevor sie dann ihr NLA Comeback genau 20 Monate nach der Verletzung geben konnte. "Ich merkte, dass ich noch nicht ganz auf der Höhe war, aber ich arbeite hart weiter." Noa Schärz ist aber, vor allem auch nach dem persönlichen Erfolg im ersten A-Nati-Einsatz ("Das Tor hat mich gefreut, ich hätte nie gedacht, dass mir das einmal passieren würde", Zitat), rundum zufrieden und auf bestem Weg, ihre Fähigkeiten im GC Team und auch in der Nati zu zeigen, ebenso wie im Beruf: Noa schliesst im nächsten Sommer die Koch-Lehre ab.

Am Wohnort geehrt

Die Leistungen der jungen Fussballerin werden nicht nur auf dem Spielfeld gewürdigt, kürzlich erfuhr sie an ihrem Wohnort eine besondere Anerkennung. Jedes Jahr ehrt die Stadt Illnau-Effretikon Bürgerinnen und Bürger, die sich in besonderem Mass verdient gemacht haben. Dieses Jahr waren es vier Frauen, unter ihnen GC und Neo-Nati-Spielerin Noa Schärz. Stadtrat Marco Nuzzi (FDP) liess sich in seiner Laudatio zu einer Spitze gegen das kriselnde Männerteam, das soeben aus der Super League abgestiegen war, hinreissen. Unter dem Eindruck des am Folgetag anstehenden nationalen Frauenstreiks meinte er: «Noch immer geniessen die GC Fussballerinnen deutlich weniger Privilegien verglichen mit ihren männlichen Kollegen. Doch vielleicht wird sich dies ja nächste Saison ändern.» Die Preisträgerin hörte diese "Spitze" nicht, sie musste sich entschuldigen, weil sie gleichzeitig mit dem Schweizer Nationalteam zum besagten Testspiel in Serbien weilte, wo sie zum ersten Einsatz kam. Stellvertretend für die Abwesende nahm Bruder Kim den Jugendförderpreis entgegen mit den Worten, dass seine Schwester ungemein stolz sei und sich aus der Ferne riesig über diese Auszeichnung freue.

Freude herrscht auch beim Grasshopper Club, bei den Spielerinnen und beim Staff, dass sie wieder auf die Leistungen von Noa Schätz zählen können.

Eugen Desiderato