MenuSuche
25.01.2019

UNIHOCKEY | WELTKLASSE-GOALIE PASCAL MEIER

Das hat vor ihm noch kein Schweizer geschafft: GC Goalie Pascal Meier  (geboren 18. Juni 1990) wurde an einer Unihockey-WM von den Trainern, den lokalen Organisatoren, dem internationalen Verband IFF sowie den Medien als wertvollster Spieler ausgezeichnet und zudem ins All-Star-Team gewählt. Er wird nun im selben Atemzug zum Beispiel mit dem Weltstar Kim Nilsson genannt, der diese Ehrung 2014 erfuhr und anschliessend den Grasshopper eine wertvolle Stütze war - so wie Pascal Meier seit 2015.

Nach der WM 2017 in Riga, wo Pascal Meier als bester Torhüter des Turniers ausgezeichnet wurde, spielte er auch ein Jahr später eine fantastische WM und brillierte mit seinen Paraden und mehreren sogenannten Big Saves, vorab im Halbfinal gegen Schweden. Allerdings konnte auch der „Hexer“ die äusserst unglückliche Niederlage gegen den Rekordweltmeister nicht verhindern. Pascal Meier: „Bis kurz vor Schluss der regulären Spielzeit führten wir noch mit einem Treffer. Dann aber gab’s eine sonderbare Aktion vor meinem Tor. Ich habe nach dem Spiel die Szene noch mindestens zwölf mal angesehen. Im Sport sollte man nicht von Glück und Pech reden, aber dieser Ausgleichstreffer kam schon sehr zufällig zustande. Warum ich nicht auf den in der Mitte agierenden Schweden geachtet habe, fragte ich mich immer wieder. Aber eigentlich wollte er den Pass gar nicht so spielen, wie er herausgekommen ist. Der Ball ging einem Kollegen zwischen den Beinen durch und passierte unsere Abwehr schliesslich zwischen Fuss und Schläger - es ist einfach sehr, sehr dumm gelaufen.“ Das nachfolgende Penalty-Schiessen war dann Roulette und ging zu Ungunsten der Schweizer Nati aus. "Wir kommunizierten von Anfang an, dass wir diese WM gewinnen wollen. Die Leute haben sicher gesehen, dass wir alles in die Waagschale geworfen haben, dieses Ziel zu erreichen. Es hat nicht ganz gereicht. Immerhin haben wir nach der schmerzlichen Halbfinalniederlage Charakter gezeigt, uns nur wenige Stunden nach dem Negativ-Erlebnisse nochmals aufgerichtet, nochmals die Energie aufgebracht - und die Bronzemedaille gewonnen.“ Pascal Meier (86 Einsätze mit der Schweizer A Nationalmannschaft) spricht von einem Trostpflaster, lässt aber anklingen, dass es eben doch möglich gewesen wäre, den ganz grossen Coup zu landen. Er richtet aber den Fokus nun wieder auf die nationale Meisterschaft, in der die Grasshopper bis anhin überzeugt haben: „Wir können unser Saisonziel erreichen. Unser Team zeichnet sich durch eine bemerkenswerte Breite aus, wir haben eine starke dritte Linie, insgesamt hoch motivierte Jungs. Und wir haben auch noch einen Auftrag: Wir wollen auch unseren Beitrag dazu leisten, dass der grösste Wunsch unseres im Alter von 20 Jahren plötzlich verstorbenen Teamkameraden Cyrill Pedolin („Dieses traurige Ereignis hat uns als Mannschaft noch näher zusammen gebracht“, Zitat) in Erfüllung geht und wir am 27. April den Meisterpokal in die Höhe stemmen, am liebsten auch den Cup (einen wichtigen Schritt dazu taten die Grasshopper am 12. Januar: Sie qualifizierten sich nach einem hart umkämpften Auswärtssieg bei UHC Alligator Malans (4:5 n.P.) für den Cupfinal, der am 23. Februar in der Wankdorfhalle ausgetragen wird. Gegner: Langnau Tigers.

Fussballer-Talent blieb ungenutzt

Pascals Meier sportliche Karriere begann auf dem grünen Rasen. Beim FC Kloten spielte der Linksfuss in der Nachwuchsabteilung - bis ihn Kollegen animierten, „es einmal mit Unihockey zu probieren“. Was schliesslich den Ausschlag gab, dass er sich für das wesentlich kleinere Sportgerät entschied und die Möglichkeit, in den Nachwuchs des FC Zürich zu wechseln ausschlug, kann er heute nicht mehr erklären. 

Ganz im Gegensatz zu seiner Zeit als Fussballer, wo er in die Regionalauswahl berufen wurde, hatte er anfänglich im Unihockey keine Erfolge zu feiern. Aber er biss durch und spielte sich auch hier bald einmal in den Vordergrund. Mit den U18A- und U21A-Junioren des HC Rychenberg Winterthur wurde er je einmal Schweizermeister. Nach einem kurzen Abstecher in die NLB zu Bülach Floorball kehrte er als Torhüter Nummer 1 zu den Winterthurern zurück. Im Sommer 2013 wechselte er für zwei Jahre in die Svenska Superligan zum Aufsteiger Växjö Vipers IBK. Nach seiner Rückkehr in die Schweiz heuerte er beim Grasshopper Club Zürich an und ist seither dessen grosse Stütze. “Als Torhüter ist man der „Hero oder Zero“, lächelt Pascal Meier, diese Herausforderung passt mir. Während meine Vorderleute darauf vertrauen können, dass ihr allfälliger von einem Hinter-Mann noch ausgebügelt werden kann, bin ich auf mich alleine gestellt oder kann allenfalls auf die Hilfe der Torumrandung hoffen...“

„In Zürich fühle ich mich wohl.“

Eigentlich könnte jetzt ein günstiger Zeitpunkt gekommen sein, einen lukrativen Transfer zu realisieren. Pascal Meier winkt ab: „Ich bin nicht der Typ, der sich solche Gedanken macht, zumal ich mich in Zürich und beim GC sehr wohl fühle. Zudem habe ich seinerzeit meine Auslanderfahrungen in Schweden gemacht. Ich habe einen tollen Job und tolle Teamkollegen. Ich suche grundsätzlich nicht „die erste Reihe“, bin dann und wann sogar froh, eine Maske zu tragen.“ Ihm muss der Trainer keine "Bleischuhe anziehen, damit er nicht abhebt", wie kürzlich Bundesliga-Trainer Friedhelm Funkel über seinen treffsicheren Stürmer sagte. Pascal Meier ist fest geerdet, definiert sich nicht über exquisite Autos, teuere Markenklamotten oder Luxus-Uhren. „Ich bin mit meiner iWatch sehr zufrieden, die mich bei meinen Sportaktivitäten unterstützt“ (Zitat). Er arbeitet nur einen Steinwurf von der Sporthalle Hardau, der GC Homebase entfernt, in einem 90-Prozent-Job als Projektleiter in einem IT Unternehmen („Die restlichen 10 Prozent brauche ich für meinen Sport“, Zitat). Den einzigen „Luxus“, den er sich gönnt, sind jährlich zwei Wochen Ferien, in denen er völlig „abhängen“ kann. Dann und wann trifft man ihn auch auf dem Golfplatz - oder spielt mit seinen Teamkollegen Tischtennis, wo er teamintern den 18. Rang belegt - und nicht in der Weltrangliste, wie auf der Club-Homepage unter „Sportliche Erfolge“ aufgeführt: „Das ist Gag“, gesteht Pascal Meier. 

Eugen Desiderato